Die Stiftskirche St. Martin und St. Severus ist die Kirche des ehemaligen Stiftes St. Martin und St. Severus in Münstermaifeld

stiftskirche1_200Von den Kelten bereits besiedelt, richteten die Römer hier ein Castellum ein. Der untere Teil des rechteckigen Mittelturms der Pfarrkirche ist vermutlich in dieser Zeit entstanden, in der Nordecke des Turmes sind Quader mit römischer Inschrift eingemauert.
Nachweislich seit dem 6.Jahrhundert Urpfarrei St. Martin mit einer Priestergemeinschaft von Martinsbrüdern, die das Umland christianisierten.

Die Erbauung der Martinskirche beginnt nach Aufzeichnungen des Trierischen Geschichtsschreibers Hontheim in der Zeit des Erzbischofs Magnericus (573-596) auf den Fundament einer römischen Wachturmanlage, als Zentrum der Christianisierung. 640 ist die Martinskirche im heutigen Münstermaifeld durch Erzbischof Modoald geweiht worden. Kurz nach 700 ist die Martinskirche "Monasterium" (Münster), d.h. Klosterkirche, geworden.

Der Trierer Erzbischof Ruotbert brachte im Februar 952 die Reliquien des heiligen Severus aus Italien mit nach Trier. Einige Jahre später (vermutlich 956) ließ er sie in das damalige Monasterium nach Münstermaifeld überführen. Ein Teil der Reliquien kam später nach Boppard. Nach der Überführung der Reliquien nach Münstermaifeld wurde es im im Mittelalter zu einem Wallfahrtszentrum.Das heute noch sichtbare "Westwerk", ein rund 34 Meter hoher Doppelturm, ist im unteren Teil der bedeutsame Rest der 1103 durch Erzbischof Bruno von Bretten geweihten, romanischen Vorgängerin der Stiftskirche. Das gotische Obergeschoss mit seinen Zinnen und Erkern wurde erst im 14, Jahrhundert aufgesetzt. Die Aufstockung dieses vierten Turmgeschosses war nötig, da es den neuen Glockenstuhl aufnehmen sollte. Die bis dato flachgedeckte Basilika wurde 1225-1322 durch die heutige gotische Kirche ersetzt, die Erzbischof Balduin schließlich 1332 weihte. Dadurch waren die alten Schallöcher (die man noch heute erkennen kann) durch das neue Dach überdeckt.

muenstermaifeld stiftskirche luftZunächst wurde das Chorhaus, dem besten Beispiel vorgotischer, polygonaler Choranlagen im Rheinland, mit Seitenapsiden in noch spätromanischen Formen im 13. Jahrhundert neu begonnen. Querschiff und Langhaus wurden in hochgotischen Formen ausgeführt. Die Weihe erfolgte 1322 unter Erzbischof Balduin von Trier.

Das Stift ging im Hochmittelalter an die Augustiner-Chorherren über, wurde jedoch 1802 aufgehoben.

 
Bei den 1924-1933 erfolgten umfassende Renovierungsarbeiten wurden wertvolle Wandmalereien des 13. bis 15. Jahrhunderts freigelegt.


Innenraum

muenstermaifeld orgel stiftskircheIn gotischer Manier, überraschend weit zeigt sich der Innenraum der prächtigen Kirche.

* Die erste Orgel der berühmten Orgelbauerfamilie Stumm wird 1722 in Münstermaifeld errichtet. Sie kostete 600 Rheinische Gulden.
* Der Antwerpener Goldaltar, ein Meisterwerk mittelalterlicher Holzschnitzkunst, beherrscht heute den Chor der Kirche. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Werk stand bis zu seiner Instandsetzung 1932 stand der im nördlichen Seitenchörchen.
* Im nördlichen Seitenschiff befindet sich das Heilige Grab (Darstellung der Grablegung Christi, um 1500) mit sieben unterlebensgroßen Figuren aus Tuffstein. Stilistisch ist das Bildwerk verwandt mit den Heiligen Gräbern in Andernach (Liebfrauenkirche) und in Sinzig. Über dem Heiligen Grab befindet sich die Darstellung von Christus als Schmerzensmann zwischen vier Engeln mit Leidenswerkzeugen, alle unter hohem Baldachin.
* Aus dem 13. Jahrhundert ein 8 Meter hohes Gemälde des Hl. Christopherus mit dem Gotteskind auf dem Linken Arm. Es befindet sich auf der inneren Stirnwand des nördlichen Querschiffes.
* Von besonderem Reiz sind die alten Wandmalereien, die bei der vorletzten Instandsetzung der Kirche zutage getreten sind und gesichert werden konnten.
* Eltzer Gräber, besonders kunstvoll gestaltete Epitaphien des Ehepaares Cuno von Eltz und Ella von Esch, zwei Reliefplatten aus Basaltlava.
* Marmorgrab des Nikolaus von Eltz und seiner Frau Maria von Hoort, sowie ein Marmordenkmal deren Sohn Johann Wilhelm Antonius Bertramus Herr zu Eltz, seinerseits Domherr zu Trier

 

Glocken

 

Name Gießdatum Glockengießer / Gießort Gewicht Ton Inschrift
St. Martinsglocke (oder Sturmglocke) 27.Juli 1397 Jan von Trier 1750kg ES Tu rex gloriae, Christe, veni cum pace (Du König der Herrlichkeit, Christus, komme mit Frieden)
sogenannte Abendglocke 1446 in Hachenburg 500kg AS Ave Maria gratia plena
Marienglocke 1466 in Hachenburg 500kg F Maria heißen ich, all bös Wetter vertreiben ich

 

Zwei 1866 in Neuwied gegossene Glocken von 750kg bzw. 350kg mussten im 1. Weltkrieg abgeliefert werden Die Ergänzungsglocken, die in den 20er-Jahren an ihre Stelle traten mussten wiederum im 2. Weltkrieg abgegeben werden.

Erst 1955 konnte das Geläute dann wieder vervollständigt werden:

 

Name Gießdatum Glockengießer / Gießort Gewicht Ton Inschrift
Michaelsglocke 1955 Glockengießerei Mabilon in Saarburg 800kg Ges Zu eurem Schutz erfüllten wir in hartem Kampfe uns´re Pflicht. Vergeßt und nicht, so bitten wir, vergeßt uns im Gebete nicht. Auf dem Glockenrand steht weiterhin die Aufschrift: „Nicht vergessen“ zur Erinnerung der Gefallenen des zweiten Weltkrieges
Petrusglocke 1955 in Saarburg 375kg B St. Petrus, dir geloben wir, in treuer Liebe für und für: Das alte Münster ändert nicht, sei treu katholisch Angesicht

Das Gesamtmotiv ES - F - Ges - As - B (der dissonante Halbtonschritt), ist seit dem wieder vorhanden.

* In einem kleinen, später gebauten Dachreiter hängt noch ein in vielen Urkunden erwähntes Gingesglöckchen. Heute kündet es die heilige Wandlung. Es wurde 1485 in Andernach gegossen.

 

Maße der ehemaligen Stiftskirche

* Länge über alles: 51 m
* Lichte Breite des Querhauses: 29 m
* Lichte Breite des Längshauses: 22 - 24 m
* Lichte Höhe im Chorrechteck: 20 m
* Höhe des Westturms bis zur Kreuzspitze: 40m
* Grundfläche Mittelturm des Westwerks:10 m mal 6 m
* Durchmesser der Rundtürme des Westwerks: 4 m